Allen Veränderungen zum Trotz hat der stationäre Handel nach wie vor große Chancen. Die Fachbetriebe Kröber Hören + Sehen oder Sportartikelhändler Intersport berichten

Bonner Einzelhändler: Persönliche Beratung ist Trumpf

Blick in die Bonner Fußgängerzone, hier die Sternstraße. FOTO: JÖRG WILD

Es steht nicht gut um den stationären Handel in den Innenstädten Europas. Doch während große Kaufhäuser mit dem Überleben kämpfen und immer mehr Ketten sich in den Citys breitmachen, haben auch Boutiquen und gut organisierte Geschäfte eine Überlebenschance. Davon sind zwei Bonner Einzelhändler überzeugt, mit denen wir über das Thema gesprochen haben.

Bei Kröber Hören + Sehen am Friedensplatz ist Karina Kröber Geschäftsführerin. Der Fachbetrieb ist seit über 85 Jahren am Markt und musste seither immer mit den technischen Entwicklungen standhalten. Deshalb sind auch die Tendenzen des Einzelhandels, der sich zurzeit rapide entwickelt hier durchaus bekannt. Und: Karina Kröber ist als Vorstandsmitglied des City Marketing Bonn e.V. immer am Puls der Zeit.

,,Unsere Branche hat natürlich das Glück, dass sowohl bei der Optik als auch bei der Hörakustik die persönliche Bindung zu den Kunden nach wie vor enorm wichtig ist", sagt Kröber. Aber auch wir müssen natürlich mit dem Fachkräftemangel kämpfen und sind glücklich, dass unsere Mitarbeiter meist sehr, sehr lange bei uns bleiben und die Kunden so gut kennen.

Damit hat die Unternehmerin schon einen wichtigen Punkt aufgegriffen, der in allen Studien zum Erhalt des stationären Handels gefordert ist: Service und Kundennähe. Davon kann auch Holger Kandel beim Sportartikelhändler Intersport ein Lied singen. „Bei uns ist die Beratung der springende Punkt - der wichtigste Grund, warum Menschen in unser Fachgeschäft kommen." Billige Lauf- oder Wanderschuhe, Funktionskleidung und Sportgeräte gibt's inzwischen an jeder Ecke.

,,Wir führen aber nur Qualitätsware, die wir ruhigen Gewissens verkaufen können“, erklärt Kandel. Nicht umsonst nehmen sich seine Fachverkäufer für jeden Kunden viel Zeit. Für den Laufschuhkauf stehen eine Analyse auf dem Laufband und ein Fußscanner zur Verfügung. So lassen sich die optimalen Schuhe für den jeweiligen Körper und seine Bewegungsabläufe finden. „Das ist so enorm wichtig, denn gerade mit Schuhen kann man am Skelett und beispielsweise an den Knien viel Schaden anrichten." Beratung also als eine wichtige Existenzberechtigung.

Wie Kandel muss natürlich auch Kröber Hören + Sehen im Internet Schritt mit den Entwicklungen halten. Der Onlinehandel ist in dieser Branche eine übersichtliche Konkurrenz. Aber sie haben beispielsweise ein Abo für Kontaktlinsen eingerichtet oder machen Hausbesuche bei Kunden eingerichtet, die nicht mehr ins Geschäft kommen können. ,,In zwei Seniorenheimen sind wir sowie schon regelmäßig für Kundengespräche“, erklärt die Chefin des Geschäfts.

Es geht aber nicht nur um die Geschäfte, die aktiv und kundennah, internetaffin und serviceorientiert sein müssen. Auch die Kommunen selbst sind gefragt, wenn sie ihre Innenstädte attraktiv halten wollen. „Das geht bei der Sauberkeit los, geht über die Erreichbarkeit der Geschäfte und ende beim Service für die Unternehmen“, sagt Karina Kröber auch als Vorstand des City-Marketing. Da scheint in Bonn noch viel Luft nach oben zu sein. Seien es die Müllabfuhr-Betriebe, die schon mal ganze Containerladungen Altpapier stehen lassen ohne sie nachträglich - selbst gegen Bezahlung - doch noch abzuholen. Oder seien es die Regularien und Auflagen der Stadt oder Politik, die bei der Ausrichtung von Stadtfesten eher erschwerend als hilfsbereit seien können. „Da ist auch die Wirtschaftsförderung schon eindeutig gefragt", sagt Kröber mit Blick auf die kleinen Betriebe, die oft Unterstützung brauchen.

Auch Holger Kandel von Intersport sieht die Kommunalpolitik und -verwaltung in der Pflicht. ,,Wir müssen ganz einfach die Frequenz erhöhen, mit der Menschen in die Stadt und damit in die Geschäfte kommen", meint er. Mehr Events müssten organisiert werden, die neue und auch alte Kunden wieder in die City zurück holen. Und die Stadt sollte keine Angst vor großen, leerstehenden Gebäuden haben, da diese in Multifunktions-Häuser umfunktioniert werden können. All das muss mit allen verfügbaren Verkehrsmitteln gut sein. Ob Bonn in dieser Hinsicht genug tut? ,,Eindeutig nein. Neue Sitzbänke und Springbrunnen oder gar Beethoven werden die Situation nicht retten."

Last not least müssen natürlich auch die Bürger der Stadt und des Umlandes selbst ihren Beitrag leisten. Es reicht eben nicht, zu Hause zu sitzen und über Stadtverordnete zu meckern, die den Zugang zur Innenstadt für SUVs erschweren. Sie müssen notfalls auch mal auf dem Rad oder in der U-Bahn den Weg in die Stadt finden und zeigen: Wir wollen die bunte Geschäftsvielfalt erhalten und damit das Flair der Bonner City halten.

AKTION

Bonn-Gutschein soll die City beleben

Ein Mosaikstein einer lebendigen bei der Erhaltung City ist der Mehr als 70 Bonn-Gutschein. Unternehmen in fast allen Stadtbezirken haben sich zusammengeschlossen, damit der Gutschein bei ihnen eingelöst werden kann. Für Unternehmen gut zu wissen: Bis zu 50 Euro des Gutscheins können als Geschenk an die Angestellten sozialversicherungsfrei ausgewiesen werden. Eine schöne Alternative zum Gutschein des riesigen Online-Großhändlers, der vom Erlös Raumfahrtprogramme finanziert. jöw

Preisvergleich lohnt sich

Lebensmittel-Check der Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät beim Einkauf von Lebensmitteln zum Preisvergleich. Ein Marktcheck bei verschiedenen Einzelhändlern in mehreren Kommunen habe große Preisunterschiede ergeben, teilten die NRW-Beratungsstellen am Donnerstag in Düsseldorf mit. So kostete ein Warenkorb mit 20 Grundnahrungsmitteln bei Testeinkäufen zwischen 31,99 Euro und 62,93 Euro.

,,Besonders in der Krise lohnt es sich, Preise zu vergleichen“, erklärte Frank Waskow, Lebensmittelexperte der Verbraucherzentrale NRW. Bei 15 der 20 untersuchten Lebensmittel hätten die Testeinkäufer sehr große Preisunterschiede von mehr als 100 Prozent gefunden. So kostete ein Kilogramm Weizenmehl Typ 405 im Angebot 0,55 Euro pro Kilo, das teuerste Mehl hingegen 1,89 Euro pro Kilo. Bei Butter reichten die Preise von 5,96 bis 13,96 Euro je Kilogramm.

Bei allen untersuchten Supermärkten und Discountern waren den Angaben zufolge zudem die Eigenmarken günstiger als Markenprodukte. Da es qualitativ zwischen Markenprodukten und Eigenmarken des Handels kaum Unterschiede gebe, könnten Verbraucher damit ihr Budget schonen.

Für den Marktcheck waren die Testeinkäufer der Verbraucherzentrale in verschiedenen Filialen von zwei Supermarktketten und zwei Discountern unterwegs. Untersucht wurden 20 Grundlebensmittel eines typischen Warenkorbes. dpa