Die heimische Küche aufpeppen - mit selbstgepflückten Wildkräutern

Wiesenglück - frisch auf den Teller

Mit Kräutern lässt sich ein köstlicher Salat zaubern. FOTO: GETTY IMAGES/MARTIN POOLE

Wer jenseits von Basilikum und Schnittlauch für mehr Abwechslung auf dem Teller sorgen will, der sollte beim Spaziergehen öfter mal einen Seitenblick riskieren. Denn die Natur bietet gerade im Frühjahr viele Wildpflanzen, die optisch wie geschmacklich punkten. Und gesund sind die grünen ,,Weggefährten" obendrein.

Zarte Blüten und raffinierte Aromen haben es längst von der Haute Cuisine in die heimische Küche geschafft. Denn auch Hobbyköche peppen ihre kulinarischen Kreationen mittlerweile ganz nonchalant mit dem auf, was Mutter Natur ihnen kredenzt.

Jetzt schießen in Wald und Wiese wieder zahlreiche Frühlingsboten wie Kerbel, Bärlauch und Waldmeister aus dem Boden. Einfach pflücken, waschen und genießen. Doch Vorsicht: In ausgewiesenen Naturschutzgebieten ist das Sammeln von Wildkräutern verboten und manche Sorten stehen sogar selbst unter Naturschutz. Möglichst unbelastete Pflanzen findet man am besten abseits von Straßen, Ackerrändern und beliebten ,,Gassi-Routen". Wichtig ist bei der Ernte, sie nicht mit der Wurzel auszureißen, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit nur kleinere Mengen mit einem Messer oder einer Schere abzuschneiden.

Geschmackssache

Der Open-Air-Gewürzschrank ist größer, als man denkt. Allein in Deutschland gibt es über 100 essbare Wildkräuter. So klein und unscheinbar viele auch daherkommen, so facettenreich sind ihre Aromen - von bitter über nussig bis süß ist bei den oft als,, Unkraut" degradierten Allround-Talenten nahezu alles vertreten. Aber nicht zwangsläufig alles genießbar: So sieht der giftige Schierling dem essbaren Wiesenkerbel gefährlicherweise zum Verwechseln ähnlich.

Um die Würzlinge in ihrer ganzen Bandbreite optisch wie geschmacklich näher kennenzulernen, empfiehlt sich daher eine professionelle Führung mit Verkostung, das Selbststudium via Buch oder eine praktische App zur Wildkräutererkennung.

Vitamin-Reich

Einige der wilden Aromen haben „Doppelgänger". An Knoblauch erinnert der Bärlauch, der im Englischen passenderweise „Wilder Knoblauch" (wild garlic) genannt wird. Seine Blätter können roh gegessen und die Blütenknospen eingelegt werden. Außerdem kann man den Bärlauch zu Kräuterbutter oder Pesto (s. Rezept) verarbeiten. Und wer die Nase voll von Kopfsalat & Co. hat, der zaubert aus Waldsauerklee, Schafgarbe und Löwenzahn einen köstlichen Wildkräutersalat.

Viele der Naturburschen sind echte Vitaminbomben. Die Brennnessel hat als „Königin“ der Heilpflanzen fünfmal mehr Vitamin C als eine Zitrone. Zum ,,Jungbrunnen“ wird sie außerdem dank ihres hohen Vitamin-E-Gehalts.

Blütenzauber

Zarte Wildkräuter, die vor dem Servieren auf dem Teller verteilt werden, sind ein Highlight für Auge und Gaumen. Auch das beliebte Gänseblümchen aus dem eigenen Garten sorgt, bevor es vernascht wird, gleich für gute Laune am Tisch. Sogar selbstgezüchteter Schnittlauch trumpft neben seinen röhrenförmigen Blättern, die für gewöhnlich zum Einsatz kommen, besonders mit seinen fliederfarbenen Miniatur-Blüten auf, die ebenso köstlich sind wie die von Fenchel, Dill oder Verbenen. Also nichts wie raus an die frische Luft und Zutaten gesammelt!

VON MARTINA SONDERMANN