Internisten erklären: Auch das erhöhte Risiko lässt sich minimieren.

Die Chefärzte der Inneren Medizin des Gemeinschaftskrankenhauses Bonn: Diabetes und Darmkrebs

Chefarztkollegen in der Inneren Medizin des Gemeinschaftskrankenhauses: Prof. Dr. Franz Ludwig Dumoulin und Dr. Markus Menzen FOTO: GEMEINSCHAFTSKRANKENHAUS

Die schlechte Nachricht für Diabetiker lautet: Ihr Risiko, auch an Darmkrebs zu erkranken, ist erhöht und betrifft gerade auch jüngere Menschen. Die gute Nachricht: Sie können dieses Risiko deutlich senken, wenn sie einen gesunden Lebensstil pflegen und rechtzeitig alle Vorsorgemöglichkeiten wahrnehmen, denn ein Darmkrebs bildet sich im Lauf von zehn bis 15 Jahren über die Vorstufen des Polypen und des Adenoms und ist umso besser heilbar, je früher er erkannt wird.

Krebs ist inzwischen die häufigste Todesursache bei Diabetikern unter 70 Jahre. Wie neue Studien belegen, haben Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 gegenüber der Normalbevölkerung ein etwa doppelt so hohes Risiko für Darmkrebs, ähnlich wie Personen mit ererbtem familiär gehäuftem Darmkrebs. Zudem haben Diabetiker ein erhöhtes Risiko, bereits vor dem 50. Lebensjahr an Darmkrebs zu erkranken: Eine kürzlich publizierte schwedische Kohortenstudie belegte, dass Diabetespatienten, die erstgradige Verwandte mit Darmkrebs hatten, zwölf bis 18 Jahre früher an Darmkrebs erkrankten. Die Chefärzte der Inneren Medizin des Gemeinschaftskrankenhauses Bonn, Prof. Dr. Franz Ludwig Dumoulin (Gastroenterologe) und Dr. Markus Menzen (Diabetologe) rufen daher Betroffene auf, die Vorsorge besonders ernst zu nehmen und entsprechend früher zur Darmspiegelung zu gehen.

,,Darmkrebs ist gut heilbar-wenn er früh erkannt wird"
Prof. Dr. Franz Ludwig Dumoulin
Gastroenterologe

Laut Dr. Menzen wirken bei der Entstehung und dem Wachstum von Tumoren bei Typ 2-Diabetes drei Mechanismen zusammen: „Der erste betrifft den dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel, denn Krebszellen haben einen erhöhten Glukoseverbrauch. Der zweite ist das Insulin, das Betroffene zum Teil in hohen Dosen spritzen müssen, um die zu hohen Blutzuckerwerte zu senken. Denn Insulin fördert auch das Wachstum von Tumorzellen. Und drittens begünstigt ein erhöhter Blutzuckerspiegel - insbesondere bei übergewichtigen Patienten-auch Entzündungsprozesse." Besonders Darmkrebs-gefährdet sind daher übergewichtige Menschen mit einem insulintherapierten Diabetes Typ 2. Bei jungen Patienten mit einer familiären Vorbelastung für frühen Darmkrebs steigt das Risiko nachmals.

Diabetes-Patienten sind besonders gefährdet, einen Darmkrebs zu entwickeln. FOTO: LINDEN
Diabetes-Patienten sind besonders gefährdet, einen Darmkrebs zu entwickeln. FOTO: LINDEN

Die Lebensweise mit einer ballaststoffarmen Ernährung mit zu viel Zucker, Salz und Fett, zu viel Alkohol, Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht sind gemeinsame Risikofaktoren für Krebs und für Diabetes. Daraus ergibt sich auch, was Diabetes Typ 2-Patienten selbst tun können, um ihr Darmkrebsrisiko zu senken und gleichzeitig ihren Stoffwechsel positiv zu beeinflussen. Dr. Menzen: „Sie sollten auf eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse achten, sich regelmäßig bewegen und Übergewicht reduzieren, möglichst nicht rauchen und den Alkoholkonsum niedrig halten." Bei einer Diabetes-Therapie mit hohen Insulingaben sollte - besonders bei stark übergewichtigen Menschen - mit dem behandelnden Diabetiker überlegt werden, ob eine Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Medikamenten wie Metformin möglich ist.

Prof. Dr. Dumoulin empfiehlt bei Erstdiagnose Diabetes, immer auch einen Gastroenterologen zu konsultieren. Auch wenn belastende und länger als einen Monat andauernde Magen-Darm-Beschwerden auftreten, sollten sich Diabetiker von einem Gastroenterologen untersuchen und behandeln lassen. Zudem empfehlen beide Ärzte eine vorgezogene Darmkrebsvorsorge. Dr.Menzen: ,,Die Früherkennung per Stuhltest (IFOBT) ist unkompliziert und schnell zu Hause durchführbar." Außerdem sollten Diabetes-Patienten zwölf Jahre früher als andere eine Darmspiegelung (Vorsorge-Koloskopie) machen lassen. Prof. Dr. Dumoulin: „Liegen neben einem Diabetes mellitus weitere Risikofaktoren wie Tabak- oder Alkoholkonsum, Übergewicht oder eine familiäre Häufung von Darmkrebs vor, übernehmen einige Krankenkassen inzwischen auch die Kosten für eine frühere Vorsorge-Koloskopie - bei Männern bereits ab dem 40. und bei Frauen ab dem 45. Lebensjahr. Das sollten diese Hochrisikopatienten unbedingt nutzen. Denn Darmkrebs ist gut heilbar - wenn er früh erkannt wird."

Von Brigitte Linden