Startschuss mit der Spende des Comedians Bernd Stelter. Dazu Voltigierpferd, Spielezirkus, Selbstbehauptungskurs, Spielplatz, Bewegungstherapie, uvm.

Die Bornheimer Bürgerstiftung: Finanzielle Hilfe für Sozial-Projekte

Die von der Stiftung initiierten Schwimmkurse in den Sommerferien sind sehr begehrt. FOTOS: BORNHEIMER BÜRGERSTIFTUNG

Ob Voltigierpferd, Spielezirkus, Selbstbehauptungskurs, Spielplatz oder Bewegungstherapie - wann immer in Bornheim bei Kinder- und Jugendeinrichtungen beziehungsweise Elterninitiativen die finanziellen Mittel für besondere Projekte knapp sind, springt die Bornheimer Bürgerstiftung „Unsere Kinder - unsere Zukunft“ in die Bresche. Seit 2005 gibt es die Stiftung in der 50.000 Einwohner zählenden Kommune. Seitdem hat sie über 200 Projekte mit rund 200.000 Euro gefördert, um Bildung und Erziehung sowie Völkerverständigung, Integration, Jugendhilfe und Jugendpflege zu unterstützen, stets mit dem Ziel, Kinder und Jugendliche psychisch und physisch zu stärken.

„Wir sind eine fördernde Stiftung und bringen in der Regel keine eigenen Projekte auf den Weg. Wenn jemand eine Idee hat, kann er sich melden und wir entscheiden dann über den Antrag. Dabei finanzieren wir ein Projekt nie in voller Höhe, denn die benötigten Mittel sollen auch noch aus anderen Quellen wie Fördervereinen stammen. Das stärkt die Nachhaltigkeit“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Ulrich Rehbann.

Angefangen hatte alles mit zwei Spenden des Herseler Comedians, Moderators und Schriftstellers Bernd Stelter. Nach Absprache mit dem damaligen Bürgermeister Wilfried Henseler kamen diese den örtlichen Streetworkern zugute. Als Stelter dann bei einer Quizshow 37.500 Euro für soziale Zwecke gewann, war Kreativität gefragt, denn die Summe war zu hoch, um sie den Streetworkern zu überlassen.

Hier kam Rehbann ins Spiel - damals Sozialdezernent -, der Henseler und Stelter das Konzept einer Stiftung vorstellte, denn „ich hatte seiner Zeit schon länger den Gedanken einer Stiftung zur Unterstützung der Jugendarbeit vor Ort gehabt“. Mit den 37.500 Euro war der finanzielle Grundstock des zur Gründung einer Stiftung notwendigen Grundkapitals von 50.000 Euro gelegt.

Gemeinsam mit dem Stadtjugendring wurden weitere Stifter geworben. Am 1. Juni unterzeichneten 31 Personen das Gründungsprotokoll, das Stiftungskapital belief sich da auf knapp 64.000 Euro. Jahr für Jahr kommen neue sogenannte „Zustifter“ hinzu - mittlerweile sind es 59 Personen-, deren Zuwendungen ins Stiftungskapital fließen, das derzeit bei rund 170.000 Euro liegt. Da dieses für Projekte nicht angerührt werden darf, ist die Bürgerstiftung auf Spenden angewiesen. Die aus dem Kapital erwirtschafteten Erträge und die eingenommenen Zuwendungen machten in den vergangenen Jahren jährlich zwischen 12.000 und 15.000 Euro aus, mit denen dann um die zwölf Projekte mitfinanziert werden konnten. Diese sollen bei Kindern und Jugendlichen für mehr Selbstbewusstsein sorgen sowie Talente, politische Bildung, Weltoffenheit und Nachhaltigkeit fördern.

Über Projekte bis 1000 Euro entscheidet der Stiftungsvorstand allein, alle Anträge, die teurer sind, werden im Stiftungsvorstand diskutiert und die Höhe der Zuschüsse festgelegt. Eltern, Initiativen und Einrichtungen nutzen die Antragsformulare der Stiftung auf deren Homepage. In der Regel finden Vorgespräche über die Förderfähigkeit von Projekten statt.

Die Liste der Wünsche ist vielfältig. So hat die Stiftung unter anderem Spielezirkusse, den „Färbegarten“ eines Kindergartens und den Roboter-Workshop des Bornheimer Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums bezuschusst. Aber auch Kosten für Impfung und Visa einer Bornheimer Schülerin für ein freiwilliges soziales Jahr in Afrika und Selbstbehauptungskurse in Grundschulen standen und stehen auf der Agenda der Stiftung.

Das einzige Angebot, das die Bürgerstiftung eigeninitiativ bisher auf den Weg gebracht hat, sind die Schwimmkurse im HallenFreizeitBad Bornheim, die seit 2021 in allen Schulferien sehr begehrt sind. Allein in den Sommerferien gab es 134 Bewerbungen bei 40 Plätzen. Coronabedingt haben viele Kinder nicht schwimmen gelernt, der Nachholbedarf werde sich noch, so Rehbann, bis ins nächste Jahr ziehen.

Auf dem Tisch liegen derzeit Anträge für kindgerechte Geräte auf einem Spielplatz in Hersel und für die Umgestaltung eines Schulhofes in Uedorf vor. Antragsteller sind Eltern und die Schulleitung der Verbundschule, einer Förderschule mit den Schwerpunkten Sprache und Lernen.

Die Bornheimer Bürgerstiftung leistet finanzielle Unterstützung für Projekte rund um Kinder und Jugendliche.
Die Bornheimer Bürgerstiftung leistet finanzielle Unterstützung für Projekte rund um Kinder und Jugendliche.

Die Anträge auf Bezuschussung eines Projekts haben heute andere Kostendimensionen als noch vor einigen Jahren und liegen laut Rehbann in der Mehrzahl über 1000 Euro, was im Wesentlichen an den hohen technischen Standards liege. Dabei hat die Spendenbereitschaft in diesem Jahr im Zuge von Inflation und Teuerung abgenommen. Für dieses Jahr reichen die Erträge noch aus, um alle Wünsche zu genehmigen. Ob das 2024 noch der Fall sein wird, ist hingegen ungewiss.

Der Vorstandsvorsitzende hat dennoch die Hoffnung, dass sich diese Entwicklung wieder umkehrt. Ein erstes Indiz dafür sind für ihn die Rösberger Kommunionkinder und eine örtliche Partei. Beide haben Geld für die Bürgerstiftung gesammelt.

Um die Situation für Kinder und Jugendliche noch besser, zukunftsfähiger und damit nachhaltiger zu gestalten, verleiht die Bürgerstiftung in diesem Jahr zum ersten Mal den mit 5000 Euro dotierten Stiftungspreis „Lebendiges Bornheim“, den sich die Elterninitiative Waldlinge (Konzept eines bedürfnisorientierten Kindergartens mit Angeboten für alle Generationen), der inklusive Sportverein Sporteinander (niederschwellige Sportveranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene) und die Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) in Merten (Grünes Büdchen, Projekt Urban Gardening) für besonders kreative Ideen teilen werden.

Dass die Bürgerstiftung aus dem Bornheimer Sozial- und Gesellschaftsgefüge nicht mehr wegzudenken ist, steht für Rehbann fest. Damit das auch in Zukunft so bleibt, würde der 64-jährige gerne das Stiftungskapital durch den Kauf von Immobilien absichern. „Ein schwieriges Unterfangen. Boden in Bornheim ist knapp und wir konkurrieren dabei mit der örtlichen Wirtschaftsförderung und den Landwirten.“ VON SUSANNE TRÄUPMANN

Infos zur Bürgerstiftung Bornheim „Unsere Kinder - unsere Zukunft“ stehen auf der Homepage unter www.bornheimer-buergerstiftung.de . Dort kann auch das Formular für Anträge heruntergeladen werden.