Breite Angebotspalette: Früherkennung, Prävention und gute Medikamente. Im Fokus steht die Sorge um die Zukunft von Kindern und Jugendlichen

Die Deutsche AIDS-Stiftung: HIV ist kein Todesurteil

Die Deutsche AIDS-Stiftung setzt Projekte im In- und Ausland um.

Bis heute gilt die Krankheit Aids als Geißel der Menschheit, auch wenn sie in den vergangenen Jahren immer weniger Todesfälle forderte. Früherkennung, Prävention und gute Medikamente sind Maßnahmen, die HIV-Infizierten helfen, ein„ relativ normales Leben mit der Krankheit zu führen“.

Hilfe und Unterstützung leistet seit 1987 die Deutsche AIDS-Stiftung, die seit ihrer Gründung HIV-Projekte finanziert. Zunächst war die Stiftung nur in Deutschland aktiv, seit Anfang der 2000er Jahre engagiert sie sich verstärkt international und da besonders in Aids-Brennpunkt-Gebieten in Afrika. Starben seit Ausbruch der Krankheit in den 80er Jahren weltweit insgesamt 40,1 Millionen Menschen, so sanken, auch dank entsprechender Therapien, die Sterbefälle auf 630.000 im Jahr 2022. HIV bedeutet in der Regel heutzutage kein „Todesurteil“ mehr, die Zahl an Neuinfektionen ist trotz Aufklärung aber immer noch hoch. Laut den Vereinten Nationen sind derzeit 39 Millionen Menschen HIV-positiv, 2022 kamen 1,3 Millionen Menschen dazu, davon überproportional viele Frauen und Mädchen, besonders in Subsahara. Aber auch in Südafrika mit 210.000, Kenia mit 35.000 oder Mosambik mit 130.000 (2019) liegen die Neuinfektionen relativ hoch (zum Vergleich Deutschland: Robert-Koch-Institut: 2021 rund 1800 Neuinfektionen).

Viele der Infizierten sowohl in Afrika als auch in Deutschland wissen gar nicht, dass sie HIV-positiv sind. Wer dann allerdings die Diagnose erhält, für den beginnt oftmals ein Leben mit Ausgrenzung und Mobbing. In Afrika werden Kinder sogar oft von ihren Familien verstoßen, in Deutschland kommt es vor, dass gesunde Kinder HIV-positiver Eltern Vorurteilen ausgesetzt sind. An die Vielfalt der Bedürfnisse richtet sich denn auch die Angebotspalette, die die AIDS-Stiftung unterstützt. Im Fokus steht dabei vielfach die Sorge um die Zukunft von Kindern und Jugendlichen.

So wurde vor ungefähr 16 Jahren die „Weihnachtshilfe“ ins Leben gerufen, um Kindern betroffener Eltern auch mal ein „normales Weihnachtsfest“ zu bescheren. Viele antragstellende Eltern sind Alleinerziehende. Da ist das Geld knapp und wenn in Kindergarten oder Schule bekannt wird, dass es HIV in der Familie gibt, spürt auch das Kind oft Ressentiments. „500 Familien aus ganz Deutschland und damit mehr als 1000 Mädchen und Jungen erreichen wir mit unserem Zuschuss. Da können sich die Kinder und Jugendlichen über ein kleines Geschenk, einen Weihnachtsbaum oder ein besonderes Essen freuen“, erzählt Andrea Babar, eine der zehn Mitarbeiter in der Bonner Stiftungszentrale.

Die Anforderungen in Afrika sind da ganz andere. Dort engagiert sich die Stiftung seit 2005 in Kooperationsprojekten mit „Dream“, einem Programm der Gemeinschaft Sant'Egidio (einer Laienbewegung der römisch-katholischen Kirche). So zum Beispiel in Mozambik, wo Dream-Gesundheitszentren Anlaufstelle für die ganze Familie sind, in denen die Menschen nicht nur in der Einhaltung ihrer Therapie unterstützt werden, sondern die Kinder auch eine warme Mahlzeit erhalten. Besonders erfolgreich sind die Gesundheitszentren bei der Mutter-Kind-Übertragung. Schwangere Frauen, die regelmäßig zur Untersuchung kommen und ihre Medikamente erhalten und einnehmen, bekommen HIV-negative Babys. Seit 18 Jahren sind auf diese Weise 25.000 gesunde Kinder geboren worden, die „dann einen guten Start ins Leben haben“, sagte Babar.

Um HIV-positiven Kindern und Jugendlichen Perspektiven für die eigene Zukunft zu bieten, fließen seit 2022 auch Fördergelder ins Kinderdorf Nchiru nach Kenia. Dort leben 120 Jungen und Mädchen, die ihre Eltern an AIDS bereits verloren haben oder deren Familien sie verstoßen haben. „Uns ist wichtig, dass die Kinder in dem Kinderdorf ein Zuhause haben. Sie verlassen das Kinderdorf erst, wenn sicher ist, wie es weitergeht“, erzählt Babar.

Die Betreuung von Mutter und Kind über das Jugendalter bis zum jungen Erwachsenen findet auch im neuesten Projekt der Stiftung in Südafrika statt. Dort hat die südafrikanische Hilfsorganisation Hope Cape Town - sie wurde 2001 vom katholischen Pfarrer Stefan Hippler gegründet - im vergangenen Jahr in Delft, einem Township am Rande von Kapstadt, ein Gemeindezentrum auf den Weg gebracht. Dazu gehört auch ein Jugendzentrum für 115 Jugendliche, dessen Bau die Stiftung mit 588.000 Euro gefördert hat. Bei der hohen Kriminalität im Township ist das Gemeindezentrum für die Menschen ein „safe space“, ein bewachter sicherer Ort. Dort wird neben einer HIV-Betreuung auch eine Vielzahl an Aktivitäten für jede Altersgruppe angeboten.

Ob Beratung, logopädische Betreuung bei Kleinkindern, Hilfen bei Entwicklungsverzögerungen, Nachhilfe, Freizeit- und Kreativangebote oder eine berufliche Ausbildung für Jugendliche - die Unterstützung beginnt bei den Jüngsten und endet beim Berufsstart junger Erwachsener. Derzeit wird ein Anti-Banden-Programm für gefährdete Jugendliche aufgebaut. „Die Jungen und Mädchen sollen gut ausgebildet und emotional stark durchs Leben gehen. Und dabei Bescheid wissen über HIV“, sagt Babar.

Für die verschiedenen Projekte braucht die Stiftung Mittel, die jedes Jahr, je nach Spendenlage, unterschiedlich ausfallen. So nahm die Stiftung 2022 1,5 Millionen Euro ein. Wesentliche Mittel kamen dabei aus dem Erlös der beiden Operngalas in Bonn und Düsseldorf, aus Nachlässen und regelmäßigen Individualspenden. Die Einnahmen sind für die zahlreichen Projekte, die nötig sind, nie genug. Denn es gibt auch in anderen Regionen hohe Infektionszahlen.

So war die Stiftung im vergangenen Jahr, trotz Krieg, in der Ukraine aktiv und hat einen Mobilen HIV-Klinikbus für Menschen in der Nähe von Kiew mitfinanziert. „Wenn es finanziell möglich ist, werden wir unsere Projekte in Afrika ausweiten. Wir wollen uns aber auch mehr in Osteuropa engagieren. Wenn das Geld reicht. Denn auch dort sind HIV und Aids weit verbreitet“, stellt Babar fest. VON SUSANNE TRÄUPMANN

www.aids-stiftung.de