Der Projektmanager des EFRE Förderprojektes „Touristisches Daten-Management NRW: offen, vernetzt, digital" spricht über den Data Hub NRW und neue Informationsangebote für Gäste. Das Interview führte Sascha Stienen

"Datenmanagement lebt vom Mitmachen"

T&C-Geschäftsführer Udo Schäfer und Projektmanager Ulrich W. Jünger mit einer der neuen Informationsstelen, die an markanten Punkten in der Region aufger stellt werden sollen. FOTO: THERESA NEUSER

Das Data Hub NRW ist eine Kernmaßnahme des Projektes Touristisches Datenmanagement NRW. Welche Ziele verfolgt das Projekt?
Ulrich Jünger: Das Touristische Datenmanagement muss man im Kontext eines veränderten Informationsverhaltens der Gäste sehen. Der Gast ist heute wesentlich digitaler unterwegs und beschafft sich seine Informationen auf zahlreichen Kanälen und Plattformen, um sich vor, während und nach der Reise - wir nennen das die klassische Customer Journey - über sein Reiseziel zu informieren. Wir stehen als touristische Organisation und eine von zwölf Teilregionen die Projektpartner des bei Tourismus NRW e.V., gehosteten Projektes sind, vor der Frage: Wie können wir unsere Gäste heute zeitgemäß informieren? Unser Ziel ist es, die Informationen plattformunabhängig digital so bereitzustellen, dass der Gast sie überall dort findet, wo er unterwegs ist. Wir wollen ihn dazu nicht erst zwingen, auf unsere Homepage zu kommen.

Die Aufgabe der T&C ist es, diesen Transformationsprozess für Bonn und die Region zu steuern?
Jünger: Richtig, innerhalb unserer Projektgemeinschaft mit Köln Tourismus sind wir für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis zuständig und haben die Aufgabe, alle relevanten touristischen Informationen digital zu erfassen. Gemeinsam mit unseren lokalen Partnern, der Stadt Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis - hier speziell der Naturregion Sieg - sorgen wir dafür, dass in unsere gemeinsame Datenbank sukzessive immer mehr qualifizierte, hochwertige, touristisch relevante Informationen einfließen-zu Sehenswürdigkeiten, gastronomischen Angeboten, Gastgebern, Routen, Touren und Veranstaltungen. Die T&C ist im Rahmen des Projektes der koordinierende Akteur. Wir können das nicht alleine machen wegen der Vielzahl von Daten, die da erfasst und aktuell gehalten werden müssen. Deswegen arbeiten wir eng mit unseren lokalen Partnern zusammen, die ja u.a. wie etwa die Stadt Bonn oder der RheinSieg-Kreis auch unsere Gesellschafter sind. Wichtig ist, dass die Daten qualifiziert und Open Data-fähig eingestellt werden, also über eine entsprechende Lizenzierung im Bereich Bild und Text verfügen. Damit können diese Datensätze frei durch Dritte genutzt und weiterverbreitet werden. Aus den regionalen Datenbanken speisen wir dann die Daten über entsprechende Schnittstellen, die im Rahmen des Projektes geschaffen wurden, in den zentralen Data Hub NRW ein, der als Datendrehscheibe für Informationen touristischer Natur aus ganz Nordrhein-Westfalen fungiert.

Der Start für den Data Hub NRW war ja bereits im März 2021. Das heißt, der Prozess ist bereits im Gange?
Jünger: Ja, vorhandene Daten werden jetzt schon ausgespielt beziehungsweise stehen im Data Hub NRW bereit. Es gibt zahlreiche Datenabnehmer, die sich über die offene Schnittstelle bei Tourismus NRW aus dem Data Hub bedienen. Einer der Datenabnehmer ist zum Beispiel die ADAC-Trips-App, die bereits eine Million Mal heruntergeladen wurde. Das ist für uns natürlich ein exorbitanter Gewinn an Reichweite, die wir für touristisch relevante Daten aus unserer Region erzielen. Der Vertrieb von Informationen bekommt dadurch für uns eine ganz neue Relevanz. Man erinnere sich: Früher haben wir immer darüber geredet, in wie vielen Reisekatalogen wir vertreten sind und wie viele Flyer wir gedruckt haben.

Der User merkt also im Idealfall gar nicht, was an Datentransfers im Hintergrund abläuft und ist einfach nur sehr gut informiert an den Stellen, wo er danach sucht?
Jünger: Richtig, das ist das Eine, sozusagen der passive Part. Aber wir haben auch einen aktiven. Mit den Informationen, die wir im Data Hub ausspielen, speisen wir auf NRW-Ebene und regional auch sogenannte progressive Web-Apps. Dabei handelt es sich um spezialisierte, kleine Webseiten, die auch für Smartphones designed sind. Diese Apps muss man nicht herunterladen, sondern erreicht sie im Browser über einen Internet-Link. Für unsere Region ist das die Adresse entdecken.bonn-region.de – sie verfügt über die fast gleiche Funktionalität einer klassischen App und verbindet sich auch mit dem GPS des Smartphones, um im Rahmen einer Umkreissuche relevante Informationen darzustellen. Sozusagen als digitaler Reiseführer für die Westentasche.

..Wer ein Smartphone besitzt und so eine InfoStele nutzt, kann sich über einen QR-Code den recherchierten Inhalt aufs Handy holen und mitnehmen"

Und was machen Menschen ohne Smartphone?
Jünger: Daran haben wir auch gedacht. Die progressive Web-App lässt sich auch auf interaktiven Touchscreens darstellen. 40 solcher Info-Stelen haben wir im Rahmen eines weiteren Förderprojekts – EFRE REACT-NRW – beschafft. Diese werden bis Ende des Jahres an ausgewählten, stark frequentierten touristischen Orten in Absprache mit unseren Partnern aufgestellt, also zum Beispiel in Hotel-Lobbys, Museums-Foyers oder an verkehrsträchtigen Punkten wie in Bahnhöfen oder Tourist-Informationen. Somit haben wir die Möglichkeit, auch jene Leute zu erreichen, die nicht über ein Smartphone verfügen. Wer aber ein Smartphone besitzt und so eine Info-Stele nutzt, kann sich über einen QR-Code den recherchierten Inhalt aufs Handy holen und mitnehmen.

Welche Aufgabe haben bei der Datenerfassung Hotels und Gaststätten oder Museen?
Jünger: Touristisches Datenmanagement als Prozess der digitalen Transformation können wir als Destinations-Management-Organisation nicht alleine stemmen. Es braucht natürlich auch unsere touristischen Leistungsträger, die sich mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Wir spielen unter anderem aus unserem regionalen Hotelreservierungssystem BONNHOTELS.de die Daten der Gastgeber aus an den Data Hub, allerdings nur dann, wenn die Daten entsprechend qualifiziert sind. Und da kommt der Leistungsträger – als unser Partner – ins Spiel. Er muss dafür sorgen, dass seine Fotos und sein Textmaterial in unserem Hotelreservierungssystem unter der richtigen Lizenz veröffentlicht werden, damit wir die Daten weitergeben können. Dabei handelt es sich um die Lizenz CC-BY-SA, die man aus dem Creative Commons-Umfeld kennt. Der Data Hub ist ohne die Leistungsträger nicht machbar. Touristisches Datenmanagement lebt vom Mitmachen, ganz klar.

Die im Data Hub NRW gesammelten Daten werden über verschiedene Kanäle ausgespielt. SCREENSHOT: SASCHA STIENEN

Wer beteiligt sich am Datenmanagement außer der T&C?
Jünger: Die Bonn Information pflegt für das Stadtgebiet die Daten zu Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen, der Rhein-Sieg-Kreis fürs Kreisgebiet, wir als T&C die Gastronomie und die Gastgeber. Letztlich läuft alles in einer regionalen Datenbank zusammen. Von da aus entscheiden wir, welche Daten wir dem Data Hub NRW zur Verfügung stellen, denn nicht alles hat eine überregionale Relevanz. Der Garagenflohmarkt hat möglicherweise nicht die gleiche touristische Bedeutung wie das Sting-Konzert auf dem Kunstrasen. Das sind Entscheidungsprozesse, die wir in regionalen Abstimmungsrunden treffen.

Womit beschäftigen Sie sich als Projektmanager noch?
Jünger: Im Rahmen eines Pilotprojektes sammeln wir Erfahrungen mit der Besucherfrequenzmessung. Dazu kommen in der Region in Kürze rund 50 WiFi-Frequenzmessgeräte zum Einsatz, die an bestimmten Sehenswürdigkeiten die Besucherauslastungen erfassen. Über unsere progressive Web-App und die Informations-Stelen haben wir dann die Möglichkeit, diese aktuellen Informationen in Form eines Ampel-Systems an die Gäste weiterzugeben. Wenn dann zum Beispiel ein Gast einen Point of Interest besuchen möchte, sieht er an der roten Ampel, dass es dort gerade sehr voll ist. Perspektivisch bekommt der Gast dann einen Alternativvorschlag mit geringerer Auslastung. So lassen sich die Daten aus den Besucherfrequenzmessungen dazu nutzen, in der Zukunft aktives Empfehlungsmarketing zu betreiben.


Zukunft gestalten

Konferenzort der Nachhaltigkeit: Preisgekröntes Projekt „Sustainable Bonn“ leistet effektiven Beitrag zur Umweltentlastung

Das Projekt Sustainable Bonn – Konferenzort der Nachhaltigkeit wurde 2006 im kommunalen Umfeld gegründet, um einen Wettbewerbsvorteil für die Destination zu schaffen. Es fördert die praxisnahe Verankerung des Prinzips der Nachhaltigkeit für die Region Bonn mit den folgenden Schwerpunkten.
Ökologie: z.B. Einsatz von Umwelttechnik, geringerer Ressourcenverbrauch
Ökonomie: z.B. Senkung der Betriebskosten, Einsatz innovativer Technologien
Soziales: z.B. Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen, Mitarbeitermotivation.

Die Tourismus & Congress GmbH Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler (T&C) koordiniert das Projekt als Projektträger von Beginn an und ist verantwortlich für die Implementierung von mehr Nachhaltigkeit in der Bonner Konferenzbranche, vornehmlich bei regionalen Unternehmen der Hotellerie und Gastronomie.

Durch seinen niederschwelligen Projektansatz wurden rund 50 kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) dazu angeregt, eine auf mehr Nachhaltigkeit ausgerichtete Wirtschaftsweise zu implementieren. Dadurch leistet Sustainable Bonn einen effektiven Beitrag zur Umweltentlastung, berücksichtigt soziale Aspekte und ermöglicht zugleich wirtschaftlichen Erfolg. Die Dokumentation der umgesetzten Nachhaltigkeitsaktivitäten in einem verbindlichen Maßnahmenplan, sowie die alle zwei Jahre durchgeführte Re-Zertifizierung sichern die Qualität der umgesetzten Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Die T&C begleitet die Betriebe durchgängig durch Vorträge, Informationsveranstaltungen und Workshops zum Thema Nachhaltigkeit. Für die kommenden Jahre ist die Ausweitung des Nachhaltigen Konferenzortes Bonn durch die Zertifizierung weiterer Betriebe vorgesehen, auch aus den Branchen Transport und Kultur.

Sustainable Bonn schafft Bewusstsein für globale Zusammenhänge, mobilisiert Engagement und bewirkt Veränderung – vom fairen Kaffee bis zum effizienten Energiemanagement. Sustainable Bonn wurde 2007 offizielles Projekt der UN-Weltdekade Bildung für nachhaltige Entwicklung, erhielt den Preis ZeitzeicheN des Netzwerks 21 und trug auch dazu bei, dass Bonn im selben Jahr Dekade-Stadt und Vizehauptstadt des fairen Handels wurde.

MICE-Markt der Zukunft
Die Ergebnisse, des mit Mitteln des europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) geförderten Projekts des Tourismusverbandes NRW e.V., liefern durch gezielte Marketingmaßnahmen einen Beitrag zur Sicherung der Wettbewerbsposition der Region Bonn/Rhein-Sieg und NRWs als Tagungsdestination und fokussieren auf Stärkung und Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der MICE- Anbieter im Segment der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Dabei wurden die beiden Aspekte Nachhaltigkeit (Kosten- und Ressourcenminimierung durch nachhaltiges Wirtschaften) und Früh-Navigation in Richtung Zukunft (optimale Ausrichtung auf zukünftige Veranstaltungsformate/Future Meeting Space) untersucht und mit Maßnahmen hinterlegt. Das Projekt Sustainable Bonn als Instrument der KMU-Förderung spielte dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Innerhalb der Projektsäule Nachhaltigkeit, wurde durch eine wissenschaftliche Studie begleitet, die die Definitionen von realistisch übertragbaren Nachhaltigkeitsstandards und -indikatoren erarbeitet und in zehn ausgewählten Pilotbetrieben (darunter Sustainable Bonn Partner) in NRW erfolgreich auf Praxistauglichkeit getestet. Maßnahmen zur Qualifizierung von touristischen Leistungsträgern wurden in Form eines Fragenkatalogs zur Selbsteinschätzung (Self Checks) und Videos (E-Learnings) entwickelt. Dabei profitierte dieser Ansatz von den regionalen Erfahrungen des Sustainable Bonn Projekts.