GDV-Expertin betont, dass mehr als 100 Versicherer einen entsprechenden Schutz anbieten

Vielen Hausbesitzern fehlt eine Versicherung gegen Naturgewalten

In Bad Neuenahr wurden durch die Flut viele Gebäude zerstört oder beschädigt. FOTO: AXEL VOGEL
In Bad Neuenahr wurden durch die Flut viele Gebäude zerstört oder beschädigt. FOTO: AXEL VOGEL

Die Unwetterfluten vor zwei Jahren, dessen Jahrestag Offizielle am 14./15. Juli beispielsweise in Bad Neuenahr und in Rheinbach gedachten, hatten schier unvorstellbare Zerstörungen angerichtet. Vor allem im Ahrtal. „Von der Hochwasserkatastrophe waren rund 42.000 Menschen mittel- oder unmittelbar betroffen“, erklärt Swenja Macht von der Pressestelle des Kreises Ahrweiler: „Rund 9000 Gebäude wurden zerstört oder stark beschädigt.“
Das große Problem beim Wiederaufbau ist: Viele Geschädigte verfügten über keine Elementarschadenversicherung. Sie mussten also selbst für ihre Schäden aufkommen. Dabei ergibt eine solche Versicherung, die viele Risiken von Naturgefahren abdeckt, aus Expertensicht angesichts prognostizierter, zunehmender Unwetterkatastrophen Sinn. Doch die Botschaft scheint bei vielen Immobilienbesitzern immer noch nicht angekommen zu sein. „Wir haben weiter ein Nachfrageproblem“, sagt nämlich Kathrin Jarosch, Sprecherin des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). 

Daher waren viele Flutopfer aus dem Ahrtal und dem Vorgebirge auf Spenden angewiesen, insbesondere auf Mittel aus den eigens vom Staat aufgelegten Wiederaufbaufonds. Allerdings galt und gilt hier: „Die Zuwendung der Aufbauhilfen für Privathaushalte erfolgt als Billigkeitsleistung in Form eines Zuschusses in Höhe von bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten“, unterstreicht die Sprecherin des Kreises Ahrweiler. Laut der Investitions- und Strukturbank (ISB), der Förderbank des Landes Rheinland-Pfalz, betrage die Summe der eingereichten Anträge für die Aufbauhilfen in Rheinland-Pfalz 15.807, davon wurden 15.151 bereits bewilligt (Stand 31.07.2023).

Angesichts tausender Flutbetroffener an der Ahr und im Vorgebirge, die offensichtlich ebenfalls keine Elementarschadenversicherung besaßen, stellt sich die Frage, ob auch regionale Versicherer ein Nachfragedefizit ausgemacht haben. „Derzeit beinhalten etwa die Hälfte der Wohngebäude-Verträge im Bestand den Versicherungsschutz gegen Elementarschäden“, erklärt Leonie Düttmann, Sprecherin der Provinzial-Versicherung aus Düsseldorf: „Im Neu- und Neuordnungsgeschäft wählen konzernweit aktuell gut zwei Drittel aller Wohngebäudekunden im Privatkundenbereich eine Elementardeckung.“ Die Nähe zu kleineren und mittleren Gewässern sowie die Schadenereignisse der vergangenen Jahre hätten dabei allgemein zu einer gestiegenen Nachfrage geführt.

Auf die Frage, ob Flutopfer überhaupt noch eine Elementarschadenversicherung bekommen, sagt die GDV-Sprecherin Kathrin Jarosch: „Mehr als 100 Versicherer bieten derzeit diesen Versicherungsschutz an, das heißt, es gibt ein breites Versicherungsangebot am Markt.“ Mit Selbstbehalten und Schutzmaßnahmen, die Verbraucher individuell mit ihrem Versicherer vereinbaren könnten, "ist die Versicherung auch im Hochrisikogebiet möglich“, unterstreicht sie.
Hierzu ergänzt Martina Faßbender, Sprecherin von der Kölner Gothaer Versicherung: „Auch hier kommt es auf die Lage des zu versichernden Objektes und die entsprechende Gefährdungs- und Starkregenzone an, im Zweifelsfall ist eine individuelle Prüfung erforderlich.“ Kundinnen und Kunden, die im Rahmen des Unwetters Bernd von Schäden betroffen gewesen seien, "werden bei uns nicht benachteiligt“, so Faßbender. Zu den Kosten sagt sie: „Die Berechnung des Beitrags ist sehr komplex, da viele verschiedene Faktoren einfließen.“
voa